Und wieder einmal ein Gastartikel, diesmal von Christian Arno zum Thema Suchmaschinenoptimierung und Fremdsprachen. Christian Arno ist Gründer und Geschäftsführer des internationalen Übersetzungsunternehmens Lingo24, das mehr als hundert Mitarbeiter auf vier Kontinenten beschäftigt. Mit Kunden in über sechzig Ländern und einem Umsatz im Jahr 2009 von mehr als 6,1 Millionen CHF.
Lokalisierung und Suchmaschinenoptimierung für Onlinevermarkter
Englisch mag zwar die Lingua franca des World Wide Web sein. Dabei sollte man jedoch unbedingt Folgendes berücksichtigen: Drei Viertel der Weltbevölkerung spricht überhaupt kein Englisch.
Aus der Online-Perspektive ergibt sich folgendes Panorama: Mehr als 460 Millionen Internetnutzer kommunizieren in Englisch in einem muttersprachlichen Standard. Weltweit gibt es jedoch mehr als 1,5 Milliarden Internetnutzer, was bedeutet, dass mehr als eine Milliarde der Internetnutzer eine andere Muttersprache als Englisch hat. Das sind ganz schön viele Leute. Das Web ist ein sprachliches Labyrinth, und die Notwendigkeit für die Unternehmen, ihre Kunden in deren eigener Sprache anzusprechen, kann gar nicht hoch genug bewertet werden.
Vor diesem Hintergrund gilt, dass die Globalisierung von Unternehmen nur bei einer lokalen Denkweise erfolgreich sein kann. Asien macht mehr als 40% der weltweiten Internetnutzer aus, wobei China 30% mehr Internetnutzer hat als die gesamte USA. Zudem haben Marktstudien gezeigt, dass mehr als die Hälfte aller Verbraucher über Websites in ihrer eigenen Sprache einkaufen. Es ist anzunehmen, dass dieser Anteil noch weiter steigen wird, denn die Zahl der Internetnutzer wächst in aufstrebenden Märkten, wie zum Beispiel in Russland und China, viel stärker als in den westlichen Märkten.
Die Sprache und das Web
Bei der Online-Ausrichtung auf internationale Märkte muss man sich auch der dialektischen Unterschiede bewusst sein. Der Unterschied zwischen Französisch und Deutsch ist für jeden offensichtlich, selbst wenn man keine der beiden Sprachen spricht. Aber die Unterschiede zwischen dem in Frankreich gesprochenen Französisch im Vergleich mit dem, das in Kanada, in der Schweiz oder in Belgien gesprochen wird, sind weniger offensichtlich. Es gibt jedoch einige wichtige Unterschiede.
Das kanadische Französisch (Québéquois) tendiert zum Beispiel dazu, englische Begriffe wörtlich ins Französisch zu übersetzen und nicht als Anglizismen zu übernehmen. Das “Wochenende” ist im kanadischen Französisch zum Beispiel das fin de semaine (wörtlich: “Ende der Woche”) Im Standardfranzösisch wird dagegen der anglisierte Begriff le weekend gebraucht.
Im französischsprachigen Europa gibt es viele weitere Beispiele, die die Nuancen zwischen den unterschiedlichen Dialekten anschaulich darstellen, von denen hier nur einige dargestellt sind.
Das Gleiche gilt für andere Sprachdialekte. Das Spanisch in Spanien und das Spanisch in vielen anderen hispanischen Ländern können ziemlich unterschiedlich sein. In Spanien bezeichnet man zum Beispiel mit dem Begriff carro einen Karren bzw. ein Fuhrwerk. In Lateinamerika wird dieser Begriff dagegen zur Bezeichnung von Personenkraftwagen benutzt, die in Spanien wiederum coche heißen. Und um die Verwirrung perfekt zu machen bedeutet coche in Lateinamerika “Kinderwagen”.
Neben Englisch sind die wichtigsten europäischen Sprachen im Internet Deutsch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch, wobei die beiden letzteren aufgrund ihrer Verbreitung in Lateinamerika eine besondere Stellung einnehmen.
Suchmaschinenoptimierung und das Web
Online-Marketing ist eines der wirksamsten Werkzeuge, die einem modernen Geschäftsalltag zur Verfügung stehen. Es stellt eine Verbindung zwischen Unternehmen und Kunden her und erleichtert den Aufbau gegenseitig vorteilhafter Beziehungen zwischen den Verkäufern und Käufern in aller Welt.
Die Suchmaschinenoptimierung (SEO) stellt einen der Grundpfeiler von Online-Marketing-Strategien vieler Unternehmen dar. Laut einer Studie der European Interactive Advertising Association (EIAA) planen zwei Drittel der Vertriebsunternehmen in Europa die Verstärkung ihrer SEO-Ressourcen für dieses Jahr. Außerdem planen für das Jahr 2010 94% der europäischen Vertriebsunternehmen die Erhöhung ihrer Gesamtausgaben für die Internetwerbung.
Eine Sache sind die heimischen Märkte. Eine ganz andere Sache ist die Einführung von vollständig lokalisierten und optimierten Websites in einer fremden Sprache. Es versteht sich von selbst, dass Sie bei der Anpassung Ihrer Webinhalte für den internationale Markt stets die Dienste professioneller Übersetzer in Anspruch nehmen sollten. Es ist jedoch genau so wichtig, die zentralen Suchbegriffe nicht wörtlich aus dem Englischen zu übersetzen. Im Folgenden möchte ich dies näher ausführen.
Eine korrekte, dem Wörterbuch entnommene Übersetzung eines Suchbegriffes ist unter Umständen nicht das, was Internetbenutzer eingeben, wenn sie online nach Produkten oder Dienstleistungen suchen. Sie verwenden vielleicht umgangssprachliche Ausdrücke, Abkürzungen oder auch ein ganz anderes Wort, das die gleiche Wortbedeutung hat. In der gleichen Weise, wie Sie zur Optimierung Ihrer Website die fachspezifischen Suchbegriffe in der Ausgangssprache festlegen, sollten Sie auch bei der Ermittlung der Suchbegriffe in anderen Sprachen vorgehen.
Das folgende Beispiel soll dies verdeutlichen. Ein Unternehmen, das Kfz-Versicherungen auf dem englischsprachigen Markt verkauft, wird sich darum bemühen, für den Suchbegriff “Car Insurance” ein möglichst hohes Ranking zu bekommen. Dann entscheidet sich das Unternehmen, seine Produkte auch auf dem französischsprachigen Markt anzubieten.
Die zutreffende Übersetzung von “Car Insurance” ins Französische lautet: l’assurance automobile. Das französische Keyword-Tool von Google liefert für diesen Begriff jedoch nur sehr wenige Treffer. Dagegen werden die Suchbegriffe assurance auto oder assurance voiture viel häufiger benutzt. Grobe Schnitzer im Bereich der Suchmaschinenoptimierung können ganz einfach durch ein bisschen Recherche vermieden werden.
Suchmaschinenrankings in einer fremden Sprache
Die Suchwortsättigung auf nicht englischen Websites ist lange noch nicht so weit fortgeschritten wie auf den englischsprachigen Websites. Bei nicht englischen Suchmaschinen ist es für Unternehmen daher viel einfacher, lukrative Ratings für bestimmte Suchbegriffe zu erzielen.
Vor diesem Hintergrund sollten für die Optimierung einer französichen Website für den Begriff ‘assurance auto’ auf Google.fr viel weniger Ressourcen erforderlich sein, als dies für den Suchbegriff ‘car insurance’ auf den US-amerikanischen, britischen oder australischen Google-Sites der Fall wäre.
Zusammenfassung
Unternehmen jeder Größe können den globalen Weg gehen. Man braucht bloß eine Website, vernetzte Computer und den entsprechenden unternehmerischen Weitblick. Um dies tun, ist eine lokale Denkweise notwendig.
Die Suchmaschinenoptimierung (SEO) und eine mehrsprachige Marketing-Strategie legen den Grundstein internationaler Initiativen. Die Verwendung eines sperrigen Stils, einer mangelhaften Grammatik, eines unangemessenen Tons und/oder einer sachlich unzutreffenden Terminologie können den Eintritt in neue Märkte erheblich behindern. Daher stellt die Lokalisierung eine entscheidende Facette einer jeden globalen Strategie dar.


